MIDI-Begriffe einfach erklärt: Program Change, CC und SysEx

January 25, 2026 - Music Production
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MIDI ist im Kern eine Sprache für musikalische Steuerdaten. Während Noten (Note On/Off) festlegen, was gespielt wird, regeln andere MIDI-Befehle, welcher Sound aktiv ist oder wie ein Klang sich im Verlauf verändert. Drei Begriffe tauchen dabei besonders oft auf – und sorgen gleichzeitig am häufigsten für Verwirrung: Program Change, CC und SysEx. Wenn du sie sauber auseinanderhältst, wird dein Live-Rig stabiler, deine Produktion schneller und dein MIDI-Routing deutlich weniger frustig.


Program Change (Programmwechsel): Presets per MIDI umschalten

Ein MIDI Program Change (oft abgekürzt PC) ist ein Befehl, mit dem du ein Gerät auf ein anderes Programm/Preset umschaltest. Praktisch heißt das: Dein Masterkeyboard, deine DAW oder dein Playback-Computer kann einem Synthesizer oder Stagepiano sagen, welches Patch als Nächstes geladen werden soll.

Wichtig ist dabei: Ein Program-Change-Befehl transportiert im Normalfall nur die Program-Nummer (0–127). Deshalb ist PC ideal, wenn du innerhalb einer Preset-Liste schnell zwischen Sounds springen möchtest, zum Beispiel von „Piano“ zu „Pad“ oder von „Lead“ zu „Brass“.

In der Praxis hängt Program Change fast immer an zwei Kontextfaktoren:

Erstens spielt der MIDI-Kanal eine Rolle. MIDI kennt klassisch 16 Kanäle (1–16; technisch oft 0–15), und ein Program Change wirkt üblicherweise nur auf dem Kanal, auf dem er gesendet wird. Deshalb funktioniert „PC schaltet meinen Synth nicht um“ sehr häufig nicht wegen des Program Change selbst, sondern wegen eines Kanal-Mismatches.

Zweitens stolpern viele über die Nummerierung. Einige Geräte und DAWs zeigen Programme als 1–128 an, obwohl MIDI intern 0–127 nutzt. Wenn du also „Programm 12“ am Gerät anpeilst, kann es sein, dass du in der DAW „11“ senden musst (oder umgekehrt). Das ist kein Fehler in deinem Setup, sondern ein UI-Thema – trotzdem kostet es im Soundcheck schnell Zeit, wenn man es nicht im Hinterkopf hat.

Bank Select: Warum Program Change oft nicht reicht

Viele Geräte haben mehr als 128 Presets. Dafür gibt es Banks (Bänke). MIDI löst das meist über Bank Select, das technisch als Control Change umgesetzt wird – typischerweise:

  • CC 0 = Bank Select MSB
  • CC 32 = Bank Select LSB

Erst danach kommt der eigentliche Program Change. Das bedeutet: Wenn du auf einem Synth nicht nur innerhalb einer Bank wechseln willst, sondern zwischen Bänken, musst du häufig CC 0/32 + Program Change in der richtigen Reihenfolge senden. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum Program Change und CC in der Praxis fast immer zusammen gedacht werden.


CC (Control Change): Parameter steuern – von Sustain bis Filter

MIDI CC steht für Control Change (auch „Controller“ genannt). Ein CC-Befehl besteht grob aus zwei Zahlen: einer Controller-Nummer (welcher Regler?) und einem Wert (wie stark?). Die Werte bewegen sich klassisch im Bereich 0–127.

Damit ist CC das Arbeitstier für alles, was sich während des Spielens verändern soll. Du kannst mit CC zum Beispiel:

  • ein Sustain-Pedal schalten,
  • die Lautstärke regeln,
  • einen Filter-Cutoff fahren,
  • oder über ein Expression-Pedal dynamisch in die Performance eingreifen.

Entscheidend ist: CC ist nicht automatisch „kontinuierlich“. Manche CCs sind Schalter (typisch: 0/127 oder 0/64/127), andere wirken stufenlos. Ein Sustain-Pedal ist das klassische Beispiel: Häufig gilt „bis 63 aus, ab 64 an“. Dadurch fühlt sich CC zwar „digital“ an, ist aber exakt dafür gemacht.

Damit du CC in Live- und Studio-Setups schneller einordnen kannst, helfen zwei Grundsätze:

Erstens: CC ist in vielen Fällen konventionell, aber nicht immer verbindlich. Es gibt verbreitete Zuordnungen (z. B. Modulation auf CC1 oder Sustain auf CC64), allerdings können Hersteller und Patches diese Zuordnung auch frei mappen. Deshalb ist es sinnvoll, in deinem Setup zu dokumentieren, welche CCs du für welche Funktion nutzt – vor allem, wenn mehrere Geräte zusammenspielen.

Zweitens: CC arbeitet standardmäßig mit 7‑Bit-Auflösung (0–127). Das reicht für viele musikalische Zwecke, kann aber bei sehr feinen Fahrten – etwa bei langsamen Filterbewegungen – „stufig“ wirken. Einige Setups umgehen das über hochaufgelöste Controller-Varianten (14‑Bit), oder über (N)RPN-Mechanismen. Das musst du nicht sofort im Detail beherrschen, aber es erklärt, warum derselbe „Cutoff-Fader“ auf einem Gerät butterweich und auf einem anderen eher grob reagieren kann.

Ein typisches, praxisnahes Szenario: Du spielst live ein Pad und willst den Sound im Refrain öffnen. Dann sendest du über einen Fader oder ein Modwheel einen CC, der im Synth (oder Plugin) auf Filter-Cutoff geroutet ist. Währenddessen läuft dein Program Change im Hintergrund vielleicht schon für den nächsten Song – und genau hier zeigt sich, wie sauber ein Rig wird, wenn PC (Presetwahl) und CC (Performance-Kontrolle) getrennt und bewusst eingesetzt werden.


SysEx (System Exclusive): Gerätespezifische „Sonderbefehle“ und Daten-Dumps

SysEx steht für System Exclusive. Das sind MIDI-Nachrichten, die herstellerspezifisch sind, also nicht allgemein standardisiert wie „Note On“ oder viele CC-Konventionen. SysEx ist damit extrem mächtig, aber auch deutlich weniger „Plug-and-Play“.

Typischerweise erkennst du SysEx daran, dass es mit einem Startbyte beginnt und mit einem Endbyte endet. Dazwischen steckt eine Herstellerkennung (Manufacturer ID) und anschließend eine Datenstruktur, die genau zu diesem Gerät oder sogar zu einem bestimmten Modell passt.

Was macht man damit in der Praxis? SysEx wird häufig genutzt, um:

  • Sounds zu sichern (Patch Dump / Backup von Presets),
  • Editor/Librarian-Software mit dem Gerät sprechen zu lassen,
  • oder Parameter anzusteuern, die über CC nicht erreichbar sind.

Gerade bei Synthesizern mit tiefen Strukturen ist SysEx oft der Weg, um komplette Patch-Daten zu übertragen. Das ist im Studio Gold wert, weil du so Projekte reproduzierbar machen kannst: Du öffnest eine Session, und passende SysEx-Dumps können (wenn bewusst eingerichtet) den Zustand des Hardware-Synths wiederherstellen. Gleichzeitig ist das auch die Stelle, an der man vorsichtig sein sollte: Je nach Gerät kann ein SysEx-Transfer Speicherplätze überschreiben oder Einstellungen ändern, die du live nicht „mal eben“ zurückdrehst.

Für Live-Setups gilt deshalb meistens eine pragmatische Regel: SysEx nur dann einsetzen, wenn du den Nutzen wirklich brauchst und es vorher unter realen Bedingungen getestet hast. Der Grund ist nicht, dass SysEx „schlecht“ wäre, sondern dass es mehr Variablen hat: Manche Interfaces filtern SysEx, manche DAWs müssen SysEx-Aufnahme erst erlauben, und bei langen Dumps kann Timing eine Rolle spielen. Das ist im Studio handhabbar, auf der Bühne aber ein unnötiger Risikofaktor, wenn ein einfacher Program Change oder ein CC denselben musikalischen Effekt erreicht.


Wann nutzt man was? Eine schnelle Einordnung ohne Theorieballast

Wenn du deinen Workflow optimieren willst, hilft eine klare Rollenverteilung:

Ein Program Change ist die richtige Wahl, wenn du einen Sound auswählst, also Presets umschaltest – ideal für Songwechsel oder für definierte Klangwechsel innerhalb eines Songs.

Ein CC (Control Change) passt, wenn du einen Sound spielerisch formst, also Parameter in Echtzeit bewegst: Lautstärke, Expression, Modwheel-Mapping, Filterfahrten oder Effektanteile.

SysEx lohnt sich, wenn du tiefer als CC gehen musst oder komplette Zustände übertragen willst – etwa für Backups, Librarian-Workflows oder sehr spezifische Parameterzugriffe, die das Gerät anders nicht anbietet.

Damit hast du ein praktisches Raster: PC = Auswahl, CC = Bewegung, SysEx = Tiefe/Komplettdaten. Wenn du diese drei Ebenen in deinem Rig sauber trennst, wird MIDI plötzlich übersichtlich – und genau das ist am Ende der Unterschied zwischen „funktioniert irgendwie“ und „läuft zuverlässig“.

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