
2Das Fame Pro Series Neptune ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon, das sich gezielt an Anwender richtet, die tiefe, basslastige Stimmen, Podcasts und Vocals aufnehmen möchten. Mit einem Straßenpreis von 199,00 € positioniert sich das Neptune klar im unteren bis mittleren Preissegment professioneller Studiomikrofone. Der Anspruch ist dennoch hoch: ein ausgewogener, kontrollierter Klang, der Stimmen direkt beim Recording souverän und sendefähig abbildet. Aus Sicht eines Studio-Engineers mit jahrzehntelanger Praxis stellt sich daher weniger die Frage, ob das Neptune „gut klingt“, sondern vielmehr, wie verlässlich, kontrollierbar und workflow-tauglich es sich im Alltag verhält – und ob der Preis realistisch eingeordnet ist.
Das Neptune präsentiert sich als klassisches Studio-Werkzeug ohne Showeffekte. Das Metallgehäuse wirkt stabil, sauber verarbeitet und ausreichend massiv, um auch langfristig im Studioeinsatz zu bestehen. Mit knapp 500 g Gewicht liegt das Mikrofon spürbar wertig in der Hand. Zum Lieferumfang gehört eine hochwertige Spinne, die fest verschraubt wird und das Mikrofon zuverlässig von Trittschall und Körperschall entkoppelt. Gerade bei Sprach- und Podcast-Anwendungen ist das kein Nebenaspekt, sondern praxisrelevant.
Bedienseitig zeigt sich das Neptune bewusst reduziert. Es gibt keine Schalter, weder Pad noch Low-Cut, und keine umschaltbaren Richtcharakteristiken. Das Mikrofon arbeitet fest mit Nierencharakteristik, verfügt über einen XLR-Ausgang und benötigt 48 V Phantomspeisung. Diese Reduktion ist keine Schwäche, sondern Teil des Konzepts: Das Neptune will ein unkompliziertes Werkzeug sein, das sich nahtlos in bestehende Studio-Setups integriert, ohne zusätzliche Entscheidungen oder Fehlerquellen zu eröffnen. Für erfahrene Anwender ist das eher ein Vorteil als ein Nachteil.

Im Inneren arbeitet eine 34-mm-Großmembran-Kondensatorkapsel, die einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz abdeckt. Die Empfindlichkeit von –32 dB sorgt dafür, dass auch leisere Sprecher oder Sänger mit moderatem Preamp-Gain sauber eingepegelt werden können. In der Praxis bedeutet das: weniger Verstärkung, weniger Vorverstärkerrauschen, mehr Ruhe im Signal.
Mit einem Signal-Rausch-Abstand von 78 dB und einem Dynamikumfang von 105 dB bewegt sich das Neptune auf einem Niveau, das für Sprach-, Vocal- und Instrumentalaufnahmen absolut praxisgerecht ist. Das Eigenrauschen bleibt im Studioalltag unauffällig und wird erst bei extremen Gain-Settings relevant. Der maximale Schalldruckpegel von 130 dB SPL bietet ausreichend Headroom für kräftige Stimmen oder nahe Mikrofonierungen, ohne dass das Signal frühzeitig verzerrt.
Die feste Nierencharakteristik arbeitet sauber und vorhersehbar. Seitliche und rückwärtige Schallanteile werden effektiv gedämpft, was das Neptune insbesondere für nicht perfekt behandelte Räume interessant macht. Gleichzeitig reagiert das Mikrofon klar auf Positionsveränderungen – wer den Abstand oder Winkel verändert, hört das sofort. Das macht das Neptune gut kontrollierbar, verlangt aber auch eine saubere Mikrofontechnik.
Klanglich positioniert sich das Fame Pro Series Neptune ausgewogen und kontrolliert, ohne spektakuläre Eigenfärbung. Tiefe Stimmen profitieren von einer stabilen Bassabbildung, die Substanz liefert, ohne aufzudicken oder zu wummern. Der Nahbesprechungseffekt ist vorhanden, bleibt aber gut beherrschbar. Stimmen wirken groß und präsent, behalten jedoch ihre Kontur.
Die Mitten sind klar definiert und tragen maßgeblich zur Sprachverständlichkeit bei. Gerade bei Podcasts, Voice-Overs oder Spoken-Word-Formaten entsteht schnell ein „fertiger“ Eindruck, der wenig Nachbearbeitung erfordert. Die Höhen sind sauber und offen, ohne aggressive Schärfe oder überbetonte Sibilanten. Das Neptune neigt nicht dazu, Problemzonen künstlich zu verstärken – ein klarer Pluspunkt im Mixing-Workflow.
Wichtig ist: Das Neptune ist ehrlich. Es kaschiert keine Unsicherheiten in der Performance und färbt nicht stark. Wer Charakter oder Vintage-Anmutung sucht, muss diese später im Signalweg erzeugen. Als Aufnahme-Werkzeug liefert das Mikrofon eine saubere, neutrale Basis.

Im realen Studioeinsatz zeigt sich das Neptune als unkompliziert und verlässlich. Einpegeln gelingt schnell, das Mikrofon reagiert gutmütig auf unterschiedliche Stimmen und bleibt auch bei dynamischen Performances stabil. Für Podcasts und Sprachaufnahmen liefert es bereits roh einen professionellen Klang, der sich ohne großen Aufwand weiterverarbeiten lässt.
Auch bei Gesang – insbesondere bei tieferen Stimmlagen – überzeugt das Neptune durch Durchsetzungsfähigkeit im Mix. Stimmen setzen sich klar zwischen Synth-Flächen oder dichten Arrangements durch, ohne übermäßige EQ-Eingriffe. Akustische Instrumente profitieren von der neutralen Abstimmung und der sauberen Transientenabbildung.
Die hohe Empfindlichkeit verlangt allerdings nach einer gewissen Raumkontrolle. In sehr lebendigen oder unbehandelten Räumen kann Raumanteil hörbar werden. Hier hilft saubere Positionierung mehr als technische Korrekturen. Insgesamt lässt sich das Neptune als leicht bis mittel anspruchsvoll in der Kontrolle einstufen – nicht zickig, aber auch kein Mikrofon, das schlechte Bedingungen vollständig verzeiht.

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Das Fame Pro Series Neptune ist ein solides, studioorientiertes Großmembran-Kondensatormikrofon, das sich klar als Werkzeug einordnet. Für 199,00 € bietet es einen ausgewogenen, kontrollierten Klang, der insbesondere bei tiefen Stimmen, Podcasts und Vocals überzeugt. Es verzichtet bewusst auf Zusatzfunktionen und setzt stattdessen auf saubere Technik, gute Kontrolle und einen workflow-freundlichen Sound. Wer ein verlässliches Mikrofon für Sprach- und Vocalaufnahmen sucht und keine klangliche Effekthascherei erwartet, bekommt hier ein stimmiges Gesamtpaket mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Pro
Contra
Link zum Shop: Music Store professional
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Der Beitrag Fame Pro Series Neptune im Test – Großmembran-Mikrofon für tiefe Stimmen erschien zuerst auf KEYBOARDS / SOUND & RECORDING.
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