Hillwood Firstman Synthesizer: Es gibt Synthesizer, die man gefühlt an jeder Ecke zitiert – und solche, die trotz eigenständigem Sound nie in den kollektiven Musiker-Mainstream gerutscht sind. Genau diese zweite Kategorie ist oft der Grund, warum bestimmte Klassiker wohl niemals „geklont“ werden: nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil kaum jemand ihren Namen auf dem Schirm hat.
Zwei wunderbare Beispiele sind der Firstman Pulser M 75 und der poetisch benannte Hillwood Blue Comets 73. Beide stehen sinnbildlich für eine Marke(n)geschichte, die bis heute für Verwirrung sorgt – und genau deshalb für Sammler, Sounddesigner und Sequencer-Nerds so reizvoll ist.
Die japanische Firma Hillwood wurde Anfang der 1970er gegründet und baute nicht nur Synthesizer, sondern auch Sequenzer und Effektgeräte. Der Kopf dahinter: Kazuo Morioka, der später u. a. in Entwicklungszusammenhängen bei großen Herstellern mitgewirkt haben soll. Klingt nach klassischer „Hidden Figure“-Story: kompetent, innovativ, aber nie laut genug, um im Rampenlicht zu bleiben.
Warum man Hillwood heute selten in Vintage-Listen findet, hat vor allem einen praktischen Grund: Viele Geräte erschienen unter anderen Namen. Ein großer Teil lief unter dem Brand Firstman (Firstman International). Wer dann noch in den USA einkaufte, stolperte häufig über ein drittes Logo: Multivox.
Kurz gesagt:
Hillwood (Hersteller) → Firstman (Brand/Exportname) → Multivox (US-Label/Rebranding)
Kein Wunder, dass diese Geräte in vielen Sammlungen „irgendwie existieren“, ohne dass die Besitzer die Verwandtschaft sofort erkennen.
In den USA tauchten Hillwood/Firstman-Synths oft als Multivox auf – teilweise schlicht per Logo-Überklebung für den amerikanischen Markt. Multivox hatte damals den Ruf, viele Konzepte anderer Hersteller zu übernehmen und unter eigenem Namen zu verkaufen. Neben Synthesizern gab es im Multivox-Kosmos auch Gitarren, Bässe, Drum-Kisten, Tape-Echos, Amps und Bodeneffekte (Sammler kennen hier häufig die „Big Jam“-Pedale).
Für dich als Musiker ist das vor allem aus einem Grund interessant: Wenn du nach Hillwood/Firstman suchst, findest du manche Geräte leichter (oder günstiger) unter Multivox-Bezeichnungen – oder umgekehrt.

Der Blue Comets 73 ist ein früher Hillwood-Synth und wirkt wie ein Design-Statement: silber/schwarz, klare Linien, orgelartige Register-Schalter. Technisch bewegt er sich in einer spannenden Übergangszone: Preset-basiert, aber dennoch mit Eingriffsmöglichkeiten.
Typische Performance-Parameter (je nach Ausführung/Panel) sind:
Das ist nicht „Modular-Wahnsinn“, aber genau das macht den Reiz aus: Presets als Startpunkt, dann mit Fadern „in Position ziehen“. Für Live-Lines, frühe Elektronik-Ästhetik und Library-Sounds ist das eine sehr direkte Arbeitsweise.
Klang-Tipp:
Wenn du Preset-Synths magst, behandle den Blue Comets wie ein Performance-Instrument: eine Hand am Fader, die andere am Timing. Der Charme liegt in Bewegung, nicht in 200 Parametern.
Der Pulser M 75 ist ein kompakter, monophoner Analog-Synth, der deutlich tiefer geht, als sein „Preset-Look“ vermuten lässt. Die Klangarchitektur ist für die Zeit erstaunlich musikpraktisch:
Gerade die Kombination aus Ringmod + Aftertouch ist Gold für Sounddesign: Du kannst aggressive Obertöne erzeugen und sie spielerisch dosieren – ohne externes Mod-Routing.
Praxis:
Der Pulser ist kein „nur Bass“-Synth. Er kann das zwar, aber seine Stärke ist Charakter: schmutzige Leads, kaputte FX-Stabs, electroide Sweeps und perkussive Mod-Momente.
Hillwood/Firstman blieb nicht bei Mono-Kisten stehen. Spannend sind vor allem die Geräte, die mehrere Welten kombinieren: klassische subtraktive Stimmen plus „Ensemble/String“-Färbung – also genau die Ästhetik, die heute in Synthwave, Italo-Revival und Retro-Pop wieder hoch im Kurs steht.
Ein besonders erwähnenswertes Konzept ist ein Four-Voice-Hybrid, der:
kombiniert. Das ist kein „One-Trick-Pony“, sondern eher ein komplettes Arrangement-Instrument für Pads, Brass-Layers und arpeggierte Flächen.
Wenn du auf Bass-Synths mit Sequencer stehst, wirst du am SQ-01 hängen bleiben. Die Idee: monophoner Bass-Synth + integrierter Sequenzer, minimalistische Klangregelung, dafür direkter Output.
Warum dieses Gerät so oft als „Acid-Paralleluniversum“ beschrieben wird: Es hat die Zutaten, die man für druckvolle Sequencer-Lines braucht, ohne sich in Optionen zu verlieren.
Wichtig für die Erwartung:
Solche Geräte sind keine 1:1-TB-303-Kopie. Aber sie liefern eine eigenständige, sequencerfreundliche Monosynth-Sprache, die in Techno, Electro, EBM und Minimal hervorragend sitzt.
Der SQ-10 ist ein kleines Sammlerstück für Leute, die externe Klangerzeuger wirklich „fahren“ wollen: Trotz Tastatur ist er ein Analogsequencer ohne eigene Klangerzeugung.
Besonders praktisch (und historisch spannend): Er kann unterschiedliche CV-Standards bedienen, u. a.
Mit mehreren Spuren und getrennten Ausgangssektionen wird der SQ-10 zum kreativen Steuermodul – ideal, wenn du Vintage-Synths oder Modular-Gear in eine „hands-on“ Sequencer-Performance überführen willst.
Hillwood/Firstman war nicht nur „Synthesizer“. Gerade die Randprodukte sind charmant:
Diese Geräte zeigen: Die Firma hatte immer wieder Ideen, die nicht nur „noch ein Subtraktiver“ waren, sondern echte Anwendungsszenarien im Blick hatten.
Du musst keinen dieser Synths besitzen, um von der Story zu profitieren. Hillwood/Firstman ist ein Lehrstück für zwei Dinge:
Preset-Synths können Performance-Instrumente sein.
Wenn Parameter sinnvoll gewählt sind, entsteht Musikalität über Bewegung – nicht über Menü-Tiefe.
Sequencer + reduziertes Sounddesign = schneller Charakter.
Der SQ-01 zeigt eine Arbeitsweise, die in moderner Musikproduktion wieder hochaktuell ist: wenige Regler, klare Reaktion, sofortige Ergebnisse.
Wenn du den Sound „in der Richtung“ suchst, aber die Hardware nicht findest, orientiere dich bei modernen Alternativen an diesen Kriterien:
monophoner Analog-Signalweg oder überzeugende Emulation
Sequencer mit Slide/Legato-Optionen und pro Step Variation
Filter mit musikalischer Resonanz und stabilem Bassfundament
Performance-Modulation (Aftertouch/Velocity/Mod-Wheel)
Wenn du dich auf die Jagd machst, helfen diese Checks:
Sind Hillwood und Firstman dieselbe Firma?
Hillwood ist der ursprüngliche Herstellername; Firstman war eine verbreitete Marken-/Vertriebsschiene. Viele Geräte sind technisch eng verwandt.
Was hat Multivox damit zu tun?
Multivox war in den USA ein Label, unter dem u. a. Hillwood/Firstman-Geräte rebranded verkauft wurden.
Ist der SQ-01 eine Alternative zur TB-303?
Eher eine alternative Idee derselben „Bass + Sequencer“-Denke. Er kann in ähnliche Pattern-Gefilde kommen, hat aber seinen eigenen Klang und Workflow.
Warum sind diese Synths so unbekannt?
Vor allem wegen wechselnder Markennamen, regionaler Vertriebswege und der allgemeinen Verschiebung Richtung Digital in den 80ern.
Der Beitrag Hillwood & Firstman: Vergessene Vintage-Synths aus Japan erschien zuerst auf KEYBOARDS / SOUND & RECORDING.
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